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Kara ben Nemsi

1896 - Karl May als Kara ben Nemsi (Bild: Karl-May-Gesellschaft e.V.)
1896 - Karl May als Kara ben Nemsi (Bild: Karl-May-Gesellschaft e.V.)

Karl aus Deutschland. Mit allen Wassern gewaschen. Vor allem aber: getauft.

Seit Jahren verschlinge ich in jedem Urlaub die Erzählungen von seinem Leben und sehe die Welt mit seinen Augen.

Bewaffnet nur mit seinem Henrystutzen, dem Bärentöter und einem Ferman des Padischahs

stellte er sich den Abenteuern des Lebens. Kaum in Nordafrika angekommen, sieht er das Unrecht und beginnt es zu bekämpfen.

Ich folge ihm durch die Wüste, befreie mit ihm Sklaven im Sudan, kämpfe an seiner Seite gegen Piraten im Roten Meer, schütze mit ihm die Armen vor Willkür und Ausbeutung, rette mit ihm die Jesiden, verteidige die Kurden, bringe Ländern im Orient Wasser und Frieden.

Ich denke, so viel ist in den letzten hundert Jahren nicht passiert, all das müsste noch heute einer erledigen!

Ich schmunzle, wenn er Hadschi Halef Omar den christlichen Glauben erklärt. Ich staune neidvoll, wie er in nur einer Nacht in einer Grammatik lesend eine neue

Sprache erlernt. Ich lache, wenn er sich nur mit einem Messer in der Hand einem Bären entgegenstellt oder wieder einem Löwen im Dunkel des Dschungels durchs

Auge schießt, während seine Begleiter verängstigt tausend Tode sterben.

Nie schießt er aber auf Menschen.

Nie nennt er jemanden einen Feind.

Nie verweigert er sich einem Gespräch. Nie ist er grausam. Im Gegenteil. Unermüdlich sucht er das Wahre, Schöne und Gute und trägt das Evangelium nicht nur auf seinen Lippen, sondern mit seinen Taten in die Welt.

Er sucht stets den Frieden.

Sein unerschütterlicher Glaube an Christus Jesus und Gottes Liebe geben ihm Kraft, selbst Gegnern zu verzeihen, die ihn quälen und am liebsten tot gesehen hätten - alle aufzuzählen, brauchte dann doch viele Bände…

 

Alles Hirngespinst! könnte man einwenden. Doch nur weil offenbar ein Mann mit zu viel Fantasie in der Villa Shatterhand saß und Bücher schrieb, heißt das nicht, dass er nicht doch ein wenig recht hätte!

Ich sage: einer wie Kara ben Nemsi fehlt uns heute. Einer, der meint, was er tut.

Einer, der zu seinem Wort steht. Einer, der sich von christlichen Tugenden leiten lässt und nicht nur vom Frieden spricht, sondern ihn schafft.

 

Jan Holfert