– Chronik

Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes

Ob unsere Fantasie ausreicht, uns die Grundsteinlegung für die 1.Zionskirche am 5. November 1901 vorzustellen? Viele aus der Innenstadt sollen gekommen sein, Herren mit Zylinder und Damen mit Riesenhüten, um sich um den Sandsteinblock zu sammeln, der da zwischen den Wiesen und Kartoffelfeldern lag. Es gab weder eine Gemeinde noch einen Kirchenvorstand, die der geplanten Kirche einen Namen geben konnten, denn gleich hinter dem Hauptbahnhof begannen Felder und Wiesen. Aber der Grundstein musste gelegt werden, das bestimmte das Testament des Maschinenbaufabrikanten Johann Hampel, dessen Fabrik auf der Zwickauer Straße stand. Hampel hinterließ der Stadt Dresden als Universalerbin ein Vermögen von einer 3/4 Millionen Mark, welches dazu verwendet werden sollte, in den Südvierteln der Stadt eine evangelische Kirche zu erbauen, in der er und seine Frau ihren Begräbnisplatz finden sollten. Die Grundsteinlegung mußte in einem Zeitraum von 5 Jahren geschehen. Würde dieses Erbe von der Stadt nicht angenommen oder würde eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, so sollte das Erbe der katholischen Kirche zur beliebigen Verwendung zufallen. Der Bau des Gotteshauses erfolgte am 27. Juli 1908. Vier Jahre dauerte der Bau des Gotteshauses im Jugendstil nach den Entwürfen des Architekten Baurat Graeber. Die Bauformen waren modern und dem Zweck entsprechend würdevoll. Bis zum Dach bildete Sandstein das Baumaterial, der gesamte Turm wurde in reich ornamentiertem Kupfer gehalten. Die Turmhöhe betrug 50 m und wurde von einem komplizierten Eisengerüst getragen. Die Gesamtkosten des Baues ohne Bauplatz beliefen sich auf 531.000 Mark. Die Weihe der Kirche vollzog am 29.September 1912 Superintendent Dr. Közsch über das Wort

„Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes“,

der Überschrift des Altarplatzes. Die Weihepredigt hilt Pfarrer Droese, er war der erste Pfarrer der Zionsgemeinde. Die volle Schönheit des Inneren der Kirche beruhte nicht auf Einzelschmuck, sondern auf einer Gesamtheit der Linienführung, der Farbwahl und der Formgebung. Dort, wo der geräumige Altarraum sanft in das Schiff der Kirche überging, stand in der Mitte die künstlerisch bedeutsame Kanzel aus Bronze. Das edle Kunstwerk hatte der Erbauer der Kirche, Baurat Graebner, selbst entworfen. Sie verdeckte von keinem Platz aus den Blick auf den Altar. Die Bankreihen waren leicht ansteigend und fächerförmig angeordnet und boten 1100 Gläubigen Platz. Der Kirchraum wölbte sich zentralbaumässig empor und wurde von einem auf dem Altar

stehenden weissen Marmorkreuz beherrscht.Die klangschöne Orgel war die erste Orgel Sachsens mit rein elektrischer Traktur und Registeranlage und stammte von dem bekannte Orgelbaumeister Jehmlich aus Dresden. Die Entwürfe der zwei Ölgemälde an der Altarwand und der modern gehaltenen seitlichen Kirchenfenster stammten von dem in der Gemeinde lebenden Kunstmaler Bernhard Müller. Von der Grundsteinlegung bis zur Weihe der Zionskirche 1912 wurde in der Südvorstad Dresdens rege gebaut, so dass eine Gemeinde mit 5619 Gemeindegliedern entstand. In der Bombennacht vom 13. Februar 1945 verbrannten die Kirche und 90 % der Wohnhäuser der Gemeinde. 1949 bauten junge Menschen im Hof neben der Kirchruine eine Baracke für die evangelische Studentengemeinde auf, die vom Hilfswerk aus Schweden geschenkt worden war. Brüderlich wurde sie ab 1956 von den Studenten und der neu gesammelten Zionsgemeinde genutzt, bis sie für die Studenten zu klein wurde und sie auszogen.

33 Jahre lebte die Gemeinde mit allen ihren Aktivitäten in dieser Baracke und in den beiden ausgebauten Sakristeiräumen der Kirchenruine. In diesen Jahren standen an der Spitze der Sächsischen Landeskirche die Bischöfe Dr. Hugo Hahn und nach ihm Dr. Gottfried Noth. Bischof Noth wurde aus Anlass seines 60. Geburtstages im Jahr 1965 vom Lutherischen Weltbund versprochen, es werde an einem Ort, den er bestimmen solle, eine Kirche gebaut werden. Die Realisierung dieses Vorhabens sollte die schwedische Kirche übernehmen. Im Laufe der kommenden Jahre wurden an 12 verschiedenen Orten in Sachsen Versuche unternommen, dieses Versprechen in die Tat umzusetzen. Immer wieder scheiterten sie an „objektiven Schwierigkeiten“, die die jeweiligen staatlichen Behörden geltend machten. Ab 1980 kursierte in Zion das Gerücht: „Vielleicht bekommen wir die Kirche aus Schweden geschenkt.“ Die Optimisten begannen daraufhin Ziegel zu putzen und wurden belohnt.

Am 5.6.1981 war wieder Grundsteinlegung. 18 Monate baute die Gemeinde mit schwedischem Material, mit schwedischen Leitmonteuren, den Mitarbeitern des Dresdner Kirchlichen Bauhofes und mit eigenen, sehr guten Fachleuten unter der liebenvollen Leitung des schwedischen Bauleiters Erik Granbom in rund 8000 Arbeitsstunden ihre „neue“ Zionskirche. Das möchte man jeder Gemeinde wünschen, denn nichts fördert den Zusammenhalt so wie das gemeinsame Tun. Am 31. Oktober 1982 konnten wir unsere neue Kirche mit dem Landesbischof Dr. Johannes Hempel, dem schwedischen Bischof von Skara, Dr. Helge Brattgard, und unserem langjährigen Gemeindepfarrer, Michael Kanig, feierlich einweihen. Kernstück des Gemeindezentrums ist die Kirche mit ihrer Leimholzkonstruktion. Sie ist an ihrem höchsten Punkt 10 Meter hoch und bietet Platz für 120 Gemeindeglieder. Altar, Lesepult und Stuhlreihen bilden gemeinsam einen Kreis.

Das Kruzifix vor dem gestirnten Himmel, das an der Wand links neben dem Altar hängt, ist eine Leihgabe des Landesamtes für Denkmalspflege. Unser ehemaliger Kirchvorsteher, Dr. Fritz Löffler, hat es 1983 aus dem Fundus des Denkmalsamtes herausgesucht, seine genaue Herkunft ist unbekannt. Möglicherweise ist es um 1480 in Schlesien oder dem Sudetenland geschnitzt worden. Ernst Kiesewetter hat es von 1983 – 1984 restauriert und gerahmt. Die Assistenzfiguren Johannes und Maria waren nicht mehr auffindbar. Nur noch die Heiligenscheine links und rechts vom Kreuzesstamm und die im dunkleren Blau des Himmels sich abzeichnenden Schatten erinnern an sie.

Wer sich aber in das Geschehen hineindenkt, das da dargestellt ist, kann sich in Gedanken selbst an ihre Stelle unter das Kreuz stellen.

Die gute Akustik des Raumes ermöglicht anspruchsvolle kirchen- und kammermusikalische Veranstaltungen. In den 80er Jahren konnte die Gemeinde eine kleine Orgel der Firma Sauer einweihen, die sich harmonisch in den modernen, hellen Kirchraum einfügt. Im massiven Untergeschoss der Kirche befindet sich der Gemeindesaal mit etwa 90 Plätzen. Diesem eigentlichen Kirchgebäude mit quadratischem Grundriss ist das Gemeindehaus als rechteckiger Baukörper mit einem Verbindungsbau angegliedert. Das Obergeschoss des Gemeindehauses und des Verbindungsbaues ist als Ständerbau mit Klinkerverblendung ausgeführt. Vier Sandsteinreliefplatten, die aus der Ruine der alten Zionskirche geborgen wurden, fanden im Klinkermauerwerk einen neuen Platz.

Die Tage des Neuanfangs und des Aufbruchs liegen schon viele Jahre zurück. Für die, die damals dabei waren, bleiben die Erinnerungen an eine besondere Zeit. Es ist schön von ihnen zu hören, was eine Gemeinschaft erreichen kann, wenn sie ein gemeinsames Ziel hat.
Was ist seit der Weihe der neuen Zionskirche am 31. Oktober 1982 geschehen ? Wie wird die Geschichte der Zionsgemeinde weiter geschrieben?
Im positiven Sinn ist der Alltag eingekehrt. Die Gemeinde nutzt die schönen zweckmäßigen Räumlichkeiten im Gemeindehaus und versammelt sich am Sonntag im Kirchsaal zum Gottesdienst.
Feste werden gefeiert! Das Sommerfest ist ein Höhepunkt, auf den sich Groß und Klein jedes Jahr freuen. Seit über 10 Jahren spielt dabei eine Gruppe Erwachsener mit viel Freude und tollen Ideen ein Märchenspiel.
Gemeidefeste
Künstler stellen ihre Werke aus und verleihen damit dem Gemeindesaal vorübergehend ein besonderes Aussehen. Auch der Kirchengeburtstag, den wir in jedem Jahr am Reformationstag mit einem Festgottesdienst begehen, ist ein besonderer Tag. Festliche Chormusik steht neben der Verkündigung des Wortes Gottes an diesem Tag im Mittelpunkt. Das Kinderprogramm am Nachmittag wird von Familien auch außerhalb der Gemeinde gern und zahlreich besucht. Ein Lampionumzug mit dem Pfarrer zur Ruine der alten Zionskirche ist aus dem Festprogramm nicht wegzudenken.
Neben den festlichen Höhepunkten gibt es auch die „ganz normalen” gemeindlichen Aktivitäten: Unterweisung in der Christenlehre, Konfirmandenunterricht, Treffen verschiedener Kindergruppen zu Spiel und Musik.
Erwachsene treffen sich in regelmäßigen Abständen zu Gebet und Austausch über Glaubensfragen und allgemein interessierende Fragen. Seit mehreren Jahren lädt monatlich ein offener Treff zu einem Nachmittag bei Kaffee und Kuchen und immer wechselnden theologischen oder gesellschaftspolitischen Themen ein. Seniorengruppen und -ausfahrten sind ebenfalls ein fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders.
Nicht vergessen seien die musikalischen Aktivitäten in unserer Gemeinde. Kinder und Jugendliche proben in verschiedenen Chorgruppen und lernen im Flötenunterricht bei unserer Kantorin. Wöchentlich üben auch der Erwachsenen- und der Posaunenchor.
Seit 2004 ist unsere Zionsgemeinde in einem Schwesterkirchverhältnis mit der Auferstehungskirchgemeinde in Dresden-Plauen und der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Dresden-Coschütz verbunden.
Ökumenische Aspekte lassen sich durch die günstige geografische Lage zu unserer katholischen Nachbargemeinde St. Paulus gut umsetzen. Die Bibelwoche ist dabei u.a.ein alljährliches Projekt
Mittelpunkt des Gemeindelebens in der Zionskirche ist und bleibt der sonntägliche Gottesdienst. Durch die Nähe zur evangelischen Studentengemeinde (ESG) finden in regelmäßigen Abständen Gottesdienste der ESG statt.
Glücklich sind wir, dass die Verbindung nach Schweden, besonders nach Kullavik, Bestand hat und sich die Gemeinden besuchen. Aber auch andere schwedische Gemeinden, z.B. von Stift Stockholm, sind bei uns gern gesehene Gäste.
Gubbröra-Kullavik
Bis auf kurze Zeiten der Vakanz, wirkten und wirken immer Pfarrer in unserer Gemeinde. Ohne die hauptamtlichen Mitarbeiter und viele aktive Gemeindeglieder, die sich ehrenamtlich einbringen, ist ein segensreiches Gemeindeleben nicht denkbar.
Mit unserem Schaukasten, einer Website und dem alle zwei Monate erscheinenden Gemeindebrief sorgen wir für Information und Außenwirkung.
Die Gründer der Zionsgemeinde haben es 1912 an die Fassade des Gotteshauses meißeln lassen: „Lobe Zion deinen Gott”. Das ist Freude und Auftrag zugleich und zu aller Zeit. Das sollten wir nie vergessen!
Zion-2015

Sehen Sie sich unsere schöne Kirche an, Sie sind herzlich als Gast oder Besucher eingeladen!

Pfarrer der Zionsgemeinde

 
1912-1923 Pfr. Theodor Dröse (ein Nachkomme Ludwig Richters)

1923-1932 Pfr. Herbert Böhme (später Superintendent in Meißen)

1932-1945 Pfr. Ringulf Siegmund (später Sup. in Aue und Dresden)

1945-1956 Pfr. Richard Schwan und Pfr. Dr. Werner Krusche (später Bischof der Prov. Sachsen)

1956-1960 Pfr. Lic. theol. Georg Walther

1960-1964 Pfr. Dr. Werner Tannert (später OKR im LKA)

1964-2001 Pfr. Michael Kanig

2001-2002 Vakanz

2002-2005 Pfr. Matthias Werner

2005-2010 Pfr. Uwe Kranz

2010-dato Pfr. Dr. Harald Rabe